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Neue Ideen entstehen aus Krisen 09.04.2013
  Nach der Übernahme des Traditionsunternehmens Eduscho durch die Firma Tchibo im Jahr 2001 erhalten viele Mitarbeiter ihre Kündigung, unter anderem auch zwei erfahrene Kaffeeexperten. Trotz ihrer Erfahrung...
  Nach der Übernahme des Traditionsunternehmens Eduscho durch die Firma Tchibo
im Jahr 2001 erhalten viele Mitarbeiter ihre Kündigung, unter anderem auch
zwei erfahrene Kaffeeexperten. Trotz ihrer Erfahrung sehen beide
Spezialisten keine Chance mehr, eine vergleichbare Anstellung in der
desolaten Kaffeebranche zu bekommen. Aber beide wollen sich nicht in das
Schicksal der Arbeitslosigkeit fügen. Stattdessen setzen sie sich zusammen
und brüten eine neue Idee aus: Nach dem Vorbild der so erfolgreichen
Brotbackmaschinen wollen sie einen Mini-Kaffeeröster für den Hausgebrauch
entwickeln. Sie investieren ihre Abfindungen, belasten ihre privaten
Wohnhäuser und investieren ca. 1 Million Euro in diese Idee.

2 Jahre später gewinnt der Prototyp auf der Neuheitenmesse in Nürnberg die
Goldmedaille. Inzwischen ist ein Patent auf die Maschine erteilt worden und
die ersten 1000 Exemplare sind verkauft. Keine Wundergeschichte nach
amerikanischem Vorbild, aber ein Beispiel dafür, wie aus Krisen neue Ideen
und Chancen entstehen – nicht nur für seltene Genies sondern für ganz
“normale” Menschen. Denn die zwei Kaffeespezialisten sind keine kreativen
Tüftler oder risikogewohnte Unternehmer, sondern ganz bescheidene und
erfahrene Angestellte. Ohne das Krisenszenario der bevorstehenden
Arbeitslosigkeit hätten sie keinen Impuls verspürt, ihre Sicherheit
aufzugeben und diesen mutigen Schritt zu tun.

Die Krise ist keine Garantie für den späteren Erfolg, aber der entscheidende
Impuls, ernsthaft etwas zu verändern. Solange wir uns in Sicherheit wähnen,
solange es uns gut geht, unterliegen wir dem starken Drang, alles zu
bewahren und an dem scheinbar bewährten Denken und Handeln festzuhalten. Das
ist ein ganz menschlicher und verständlicher Zustand, den wir im Privaten
wie im Beruflichen beobachten können. Aber er birgt ein latentes,
schleichendes Risiko: durch eine dauerhaft konservative Einstellung drohen
wir in unserem Verhalten zu erstarren und die Notwendigkeit von Veränderung
zu missachten. Je zwanghafter wir an alten, ehemals bewährten Mustern
festhalten, desto stärker wird unser “Tunnelblick”, durch den wir die
Chancen übersehen, denen wir täglich begegnen.

Die Krise ist also nichts Böses. Sie ist vielmehr eine gute Freundin, die
uns den Mut geben kann, uns zum Positiven zu verändern! Gerade in
Niederlagen liegt die Chance, zu sich selbst, den inneren Werten und der
existenziellen Stärke zurückzufinden, die wir für neue Erfolge benötigen.
Was wir in erster Instanz dazu benötigen, ist nichts weiter als die
Bereitschaft, die Chance zu ergreifen.

Dann gilt es, eine persönliche Bilanz zu ziehen: Wir fragen unser ganzes
komplexes Wissen ab. Wir erkennen verborgene, bisher ungenutzte Fähigkeiten.
Wir erkennen in unserer Unzufriedenheit tiefe persönliche Bedürfnisse,
Sehnsüchte, Ziele. Wir finden diese Wünsche in der Gesellschaft wieder,
können daraus Trends und Marktchancen ableiten. In den Schnittpunkten von
persönlicher Kompetenz und gesellschaftlichem Bedürfnis entstehen die neuen
Ideen. So wie bei unseren Kaffeeexperten, die vielleicht ihre persönlichen
Ansprüche an hochwertigen Kaffeegenuss von den Kaffeekonzernen nicht mehr
erfüllt sahen und dafür im Markt ihre Chance witterten.

Durch die persönliche Bilanz lernen wir auf bewusste Weise, wozu wir fähig
sind, was uns gut tut und was uns schadet. Daraus resultiert die Fähigkeit,
persönliche Stärken und Schwächen zu verstehen und zu akzeptieren. Dieses
Verständnis führt zu dem Gefühl für den eigenen Wert und die eigene Würde.
Dieser Wert ist Maßstab für das eigene Fühlen, Denken und Handeln. Wenn
meine Entscheidungen aus mir selbst heraus erfolgen, also durch mich selbst,
fühle ich mich als ureigener Quell meines Tuns. Ich fühle mich als Chef
meines Verhaltens, weil ich eine Klarheit in mir spüre, die sich aus meiner
Wahrnehmung und meinem Bewusstsein speist. Ich kann mir mein eigenes Urteil
bilden, weil ich über eigene Parameter verfüge.

Vielen Menschen fällt ein solches Denken aber schwer. Sie neigen dazu, die
ersten “Vorboten” von Krisen schönzureden, wegzuschauen oder mit
Schuldzuweisungen zu reagieren. Wenn das Alte aber unweigerlich zu Ende ist,
wenn der Abschied vom bisherigen Status nicht mehr aufzuhalten ist, tut sich
für sie ein Abgrund auf, aus dem sie eigenständig nicht mehr herausfinden.
Sie erleben die Krise als persönliche Niederlage, auf die sie mit
verstärkter Passivität bis hin zur Depression reagieren. Sie fühlen sich in
solchen Situationen hilflos, unfähig pro-aktiv zu handeln, das heißt, die
Verantwortung für sich und ihr Leben anzunehmen. Was kann man tun, wenn man
zu solch reaktivem Denken neigt? Wie kann man reaktiven Menschen helfen, aus
Krisen herauszufinden?


Die Relativität der Werte und die Sinngebung

Wer bisher immer nur auf äußere Impulse und Reize reagiert hat, ohne zu
wissen, was er eigentlich für Ziele hat, ist ein fremdbestimmtes Leben
gewohnt. Er lässt sich durch sein Leben treiben, wie ein Stück Holz auf dem
Wasser, ein Spielball fremder Interessen und Konditionierungen. Solche
Menschen fühlen sich in der Regel unfrei, abhängig und fremdbestimmt, weil
sie nur nach den Bedürfnisse anderer handeln. Sie re-agieren nur, statt ihr
Leben aktiv in die Hand zu nehmen, machen andere für ihre Situation
verantwortlich und beklagen sich darüber. Sie in ihrer Rolle zu bestärken,
sie zu bemitleiden oder sie trösten zu wollen, bestärkt sie nur in ihrer
destruktiven Haltung. Sinnvoller ist es, sie erkennen zu lassen, dass sie
die Ursache ihres Unwohlsein in sich selbst suchen müssen.

Wie Vieles im Leben sind auch re-aktive Verhaltensmuster in erster Linie
durch die Einstellung des Menschen bestimmt und diese Einstellung basiert
auf jahrelang antrainierten Denkmustern und Glaubenssätzen, die man nicht
auf Anhieb umkehren oder richtig stellen kann. Wer jahrelang das Glas als
“halbleer” gesehen hat, hat Schwierigkeiten, es ab morgen als “halbvoll” zu
bewerten – selbst wenn er den Vorteil einer veränderten Perspektive erkennt.

Erst durch tiefgreifende emotionale Erlebnisse, wie sie in
Persönlichkeitstrainings möglich sind, lernt das Unterbewusstsein, seine
Einstellung zu den Dingen zu verändern. Oft sind es individuelle, kleine
Details, die eine positive Herangehensweise verhindern, die aber im
spielerischen Umgang mit Aufgaben als destruktiv erkannt und durch
konstruktive ersetzt werden können.

Ein Beispiel aus einem meiner letzten Trainings macht das deutlich: Ein
Teilnehmer klagte über seine niedrige Frustrationstoleranz und das starke
Bedürfnis nach Anerkennung durch seine Kollegen. Bei der Durchführung
verschiedener Übungen erkannte er die Ursache hierfür selbst: Er tendierte
dazu, seine Projekte mit hohen Zielvorgaben auf breiter Front zu starten und
übersah dabei die kleinen Details. So nahm er sich selbst die kleinen
Erfolgserlebnisse und die Motivation, die nötig gewesen wäre, kleine
Niederlagen zu überstehen und seine Aufgaben letztendlich erfolgreich zu
beenden.

Seine Schlussfolgerung aus einer symbolischen Niederlage war konsequent und
richtig: Er musste lernen, nicht nur das große Ganze zu verfolgen, sondern
auch die Details zu achten und wertzuschätzen. Erst durch das Relativieren
seiner Wertevorstellungen war er nicht mehr Opfer seiner eigenen Ansprüche,
sondern konnte pro-aktiv Entscheidungen revidieren, sein Handeln den
Umständen entsprechend anpassen und wieder erfolgreich sein.

So sind es oft die persönlichen Wertevorstellungen, die unser Handeln
positiv oder negativ beeinflussen. Alte, überholte Wertevorstellungen zu
erkennen und zu bearbeiten ist ein wichtiger Schritt, Krisen zu überwinden
und die Kraft für einen Neubeginn zu finden.

Wer einseitig nur für materielle Werte und Sicherheit gelebt hat, verliert
in der Krise schnell den Sinn seines Tuns. Plötzlich muss der Mensch
erkennen, dass ihm die Maßstäbe verloren gehen, wenn der finanzielle Erfolg
ausbleibt. Was soll ihn motivieren, wenn der Lohn fehlt? Woran will er
messen, was gut oder schlecht ist? Es ist die Chance, die ideellen Werte
wiederzuentdecken. Sie geben dem Leben wieder einen Sinn, auch ohne die
gewohnte materielle Sicherheit. Sie schaffen neue Regeln, nach denen man
Entscheidungen fällen und sein Handeln orientieren kann. Es gilt, die
Grundwerte für ein erfülltes und befriedigendes Handeln zu entwickeln.

Das ist nicht einfach, weil man dazu erst einmal herausfinden muss, was
einem persönlich im Leben am wichtigsten ist. Jeder Mensch ist ein ganz
eigenes Individuum mit unterschiedlichen Erfahrungen und differenzierten
Bedürfnissen. Aufgrund seiner persönlichen Lebensmuster und Charakterzüge
setzt jeder andere Prioritäten, um zufrieden und glücklich zu werden. Dass
Geld allein nicht glücklich macht, haben wir schon erkannt, aber woran
erkennt man, was einem persönlich besonders wichtig ist? Der erste Schritt
liegt in der Selbstbeobachtung und der Selbstreflexion. Ich muss
hinterfragen, was mir in meinem Leben besonders wertvoll ist. Worauf möchte
ich auf keinen Fall verzichten?

Bemühen wir nochmals das Beispiel unserer beiden Kaffeeexperten aus Bremen:
Für diese Männer hat Kaffee einen besonderen Wert. Sie haben ihr ganzes
Leben lang ein komplexes Wissen über Kaffeequalitäten, Röstverfahren und
Marktbedingungen gesammelt. Sie mussten den jahrelangen Niedergang unserer
“Kaffeekultur” beobachten, den Preisverfall, den Qualitätsschwund, den
Verdrängungswettbewerb. Letztendlich wurden sie selbst zum Opfer dieser
Entwicklung. Was ihnen geblieben ist, ist der hohe Wert, den sie dem Kaffee
entgegenbringen. Der Glaube an diese Werte gibt ihnen den Mut, ein so hohes
Risiko einzugehen und einen unbändigen Willen, dem Kaffeegenuss zu neuem
Wert zu verhelfen. Aber diese starke Überzeugung motiviert nicht nur sie
selbst, sie ist gleichzeitig auch das Hauptverkaufsargument für das Produkt!
Der Kunde kauft nicht nur einen “Heimröster”, er investiert in Werte. Er
solidarisiert sich mit zwei Außenseitern gegen ein Kaffeemonopol - für
Qualität und Selbstbestimmung.

Dieses Beispiel macht deutlich, wie wichtig ideelle Werte für den Erfolg
einer Idee sind. Materielle Ansprüche stehen dem Erfolg eher im Wege. Erst
durch Werte wird eine Idee zur ideellen Größe. Sie geben ihr Sinn und Kraft
zur Durchsetzung. Der pro-aktive Mensch macht sich deshalb nicht von
materiellen Werten abhängig, sondern macht seine ideellen Werte zum Maßstab
seines Handelns. Sie geben ihm die Sicherheit, auf dem richtigen Weg zu sein
und helfen ihm, Niederlagen zu überstehen.
Weitere Infos unter http://www.cit-consult.de/training-coaching/stressmanagement/ueberlebenszei
   
   
   
Eingestellt von*:   Michael Blochberger
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