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Vielfach entstehen die Gründe für ein Scheitern im Gastgewerbe bereits vor dem Unternehmensstart oder kurz danach.
Fehleinschätzung des Marktes
Ein häufiger Prognosefehler bei der Budgetierung des Umsatzes von Gastronomiebetrieben ist die zu hohe Einschätzung der Gästeanzahl und Gästefrequenz in Verbindung mit der zur Verfügung stehenden Kapazität. Unbeachtet bleiben Sitzplatzverluste sowie vor allem temporäre und betriebstypenbezogen unterschiedliche Gästebesuche. Des Weiteren berücksichtigen Existenzgründer das unterschiedliche Ausgabeverhalten über die Öffnungszeiten oftmals nicht in angemessenem Maße. Die Hotelprognosen sind auf die „gängigen“ 60 % Zimmerauslastung ausgelegt, beschäftigen sich nicht mit Ist-Werten oder interpretieren diese falsch. Daneben findet keine intensive Standort- und Marktanalyse statt. Zukünftige Stadtplanungen oder geplante Projekte werden nicht in die Betrachtungen einbezogen.
Schlechte Konzeptvorbereitung
Es werden Konzeptideen vorgetragen, die vielfach schon im unmittelbaren räumlichen Umfeld zu finden sind; oder der Gründer kopiert ein Konzept, das auf nicht vergleichbaren Märkten funktioniert, nicht jedoch auf dem vorgesehenen Markt. Vor allem mangelt es vielen Konzepten an einem klar definierten Marketingkonzept. Somit wird in der so wichtigen Anfangsphase improvisiert. Das hat negative Auswirkungen, die nur mit erheblichen Verkaufsanstrengungen, also Kosten, kompensierbar sind.
Überhöhte Investitionen
Investitionen und tragfähiger Kapitaldienst stehen in einem Missverhältnis. Die Gründe liegen vor allem im Kosten-/Nutzenverhältnis der Investition. Erschreckend viele Einsteiger gehen auf überhöhte Kostenvorschläge ein. Kostenvergleiche sind die Ausnahme.
Zu hohe Mieten / Pachten
Gründer überprüfen nur selten die Angemessenheit der von ihnen zu zahlenden Miete / Pacht. Sie akzeptieren diese über Umsatzschönrechnerei oder nicht realisierbare Kostenbudgetierungen. In diesem Kontext sind auch überhöhte Inventarübernahmen sowie Bezahlungen unangemessener Firmenwerte zu nennen.
Mangelnde Liquidität
Auch hier liegt der Fehleransatz oftmals in der Existenzgründungsphase. Bei dem zu finanzierenden Investitionsplan werden Kosten zu gering angesetzt, vergessen bzw. die Liquidität des neuen Betriebes überschätzt. Der Nachkauf von Betriebsmitteln, die Bezahlung von Gründungs- und Voreröffnungs-kosten sowie die erste Auszahlung von Löhnen und Gehältern führen so frühzeitig zu einer schlechten Liquiditätslage.
Unvollständige Budgetierung der Kosten
Fast alle potentiellen Existenzgründer überschätzen in ihren Kostenprognosen die eigene Arbeitsleistung, was im laufenden Betrieb zu Personalkostenerhöhungen führt. Energiekosten werden häufig an der privaten Haushaltsführung bemessen. Elementare Kosten, insbesondere Betriebs- und Verwaltungskosten, werden zum Teil stark vernachlässigt - hier auftretende Differenzen von selbst prognostizierten und tatsächlichen Kosten in Höhe von 4 bis 5 % vom Betriebsumsatz sind nicht selten.
Informationsdefizite
Existenzgründer wissen vielfach zu wenig über die Chancen und Zinseinsparungen, die öffentliche Finanzierungsprogramme ihnen ermöglichen. Generell muss festgehalten werden, dass viele Pleiten vor allem aus Informationsdefiziten zu erklären sind. Daneben wissen sie auch nicht, dass es sowohl öffentliche als auch private Berater gibt. Auch über Beratungszuschüsse sind sie schlecht informiert.
Zu hohe Privatausgaben
Gerade kleine bis mittlere Unternehmer verwechseln die Liquidität mit dem Ertrag. Viele überbewerten ihre Anfangserfolge und „gönnen sich“ zu hohe Privatausgaben.
Mangelndes Bankvertrauen
Direkt auftretende Liquiditätsprobleme werden so lange aufgeschoben bzw. verschleiert, bis die Bank ihr Vertrauen verliert. In vielen Beratungs-angelegenheiten wäre eine partnerschaftliche Lösung zu einem früheren Zeitpunkt möglich gewesen. Leider kennen die wenigsten Jungunternehmer die Förderprogramme zur Existenzfestigung bzw. zum Auffangen kurzfristiger Liquiditätsprobleme.
Martin Radunz – M3-Hotelconsult, Forellstrasse 62, 53123 Bonn
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