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Den Geist entfalten 10.01.2008
  Kinesiologie als Begleiter auf dem spirituellen Weg
 

(...) Der Sensitivitätsleher Harald Knauss zeigt, wie meditative Leere und Lebensfülle in Harmonie kommen können und wie die Kinesiologie eine spirituelle Persönlichkeitsentwicklung unterstützen kann.

Bei jeder Entfaltung und jedem Wachstum, gleich welchen spirituellen Weg man auch geht, werden alle Energien im System eines Menschen aktiviert. Wo das Alte verlassen wird und das Neue noch reine Vision ist, ergeben sich zwangsläufig Umwälzungen und Spannungen. Der Prozess des Hinwachsens auf das Neue zu, um mit ihm zu verschmelzen, wird Integration genannt. Auf diesem Weg ist der Einzelne immer wieder herausgefordert, seine Kräfte auszubalancieren und die eigene Mitte zu finden.
Die östlichen Schulungen verfolgen den Weg nach Innen. Ihre Techniken der Meditation erfordern eine innere Zentrierung oder Konzentration, was über ein Ausschalten der vielen Möglichkeiten und Reize, die uns von außen erreichen, angestrebt wird. Der Blickpunkt des Bewusstseins wird hierbei aus der äußeren Welt abgezogen und auf die eigene Mitte hin gerichtet. (...) Die Konzentration gilt als Weg zurück nach Innen, auf der Suche nach dem Bewusstsein. Fortgesetzte Konzentration wird als Meditation bezeichnet und ununterbrochene Meditation führt zur Kontemplation. (...) Wenn wir unser Denken aus der Vielheit der äußeren Welt abziehen, es zunächst im Stadium der Konzentration auf eine Facette (zum Beispiel ein Bild, ein Lehrsatz, ein Mantra, Atemzügezählen und so weiter) festlegen, so ist dies ein Weg von der Fülle weg, hin zum Inneren. Strebt man aber so sehr nach Ausschließen und Fokussieren, kann dies eventuell aber auch zu einem Zustand angestrengter Unterdrückung führen. (...) Indem die Wahrnehmung stets nur nach Innen gerichtet wird, besteht zudem die Gefahr der Abkoppelung von der Welt. (...).

Fülle und Leere im Gleichgewicht
Es bedarf hierbei also einer inneren Balance, damit nicht Enge, Passivität oder mangelnde Lebensfreude entstehen. (...) Buddha ging zuerst in die Welt hinaus, um diese in ihrer Fülle und Vielheit zu erfahren. Erst als er diese ausgekostet hatte, so dass ihm nichts mehr fremd war, begab er sich auf seinen Weg nach Innen. Erleuchtung lässt sich nicht einseitig in einer Abkehr von der Welt erfahren, sondern in einer Vereinigung und Transzendierung beider Welten. Erst wenn wir die Dinge und Wirkungen in der äußeren Welt klar erkennen und ehren können, ist es uns möglich, sie wirklich loszulassen. Wenn ein Mensch, der im Leben stets ohne Geld und persönlichen Besitz gewesen ist, behauptet, dass Geld nicht wichtig sei fürs Leben, so ist dies keine besondere spirituelle Leistung. Aber wenn jener, der Geld und auch Besitz hat, dies alles weggibt für überpersönliche Zwecke, weil er innerlich weiß, dass persönlicher Besitz als Lebenswert nicht wichtig ist, so ist dies eine ungeheure spirituelle Leistung. Die Lehren Jesu im Neuen Testament behandeln eben dieses Thema von Fülle und Leere, das auch den ganzen Buddhismus durchzieht.

Der Weg durch die helle und dunkle Vielfalt
Bei den Sensitivitätsschulungen (...) steht der "Weg der Leere", zu dem in gewisser Weise auch alle Trancetechniken gehören, nicht am Anfang. Vielmehr werden die Menschen zunächst erst einmal dazu angeregt, ihre eigene innere Fülle und Freude aufzuspüren. Es gilt, das Leben insgesamt und auch das eigene in seiner Vielfalt zu erkennen, zu schätzen und zu ehren. Daher besteht der erste Schritt in einer Erweiterung und Vertiefung der Wahrnehmung sowohl der inneren wie auch der äußeren Welt. Das bringt natürlich mit sich, dass jeder viel mehr von sich und der Welt auch wahrnimmt. Im günstigen Falle sind es verborgene Potenziale in uns, die wir entdecken, oder bisher zu wenig beachtete Qualitäten und Möglichkeiten. Gleichzeitig erkennen wir aber auch mehr von unseren eigenen Schattenthemen. Licht und Schatten in uns werden ja gleichermaßen aktiviert und beleuchtet, sie werden uns bewusster. Die Förderung der Sensitivität bewirkt stets eine verstärkte Selbstwahrnehmung, was ein Tor zu wirklicher
Selbsterkenntnis werden kann. (...) Zirkel- und Heilerarbeit sind dabei hilfreiche Faktoren, wobei es eine Zeit der Entwicklung braucht. Aber es gibt doch Themen, auf die man während der Ausbildung immer wieder gestoßen wird, die schon uralt und nicht so leicht zu beheben sind. Das kann zum Beispiel das mangelnde Vertrauen in die eigenen Wahrnehmungen oder Kräfte sein. Ein Sensitiver, der sich selbst nicht traut, ein Heiler, der seinen Heilkräften nicht vertraut, wird sich schwer tun. Zweifel und Angst sind ungemein zersetzende Kräfte. Die Ausrichtung unserer Wahrnehmung hin auf Mangel oder Defizit, also das so genannte negative Denken, kann ebenfalls ein Problem sein. Auch die Neigung stets zu werten, uns allen wohlbekannt, kann eine Entwicklung stark behindern. Es sind grundlegende menschliche Probleme, die jeder von uns in sich trägt, die während einer Schulung zutage treten können. Da es sich dabei stets um Energien und deren Lenkung handelt, - Emotionen und Gedanken sind ja nichts anderes -, sind solche Themen oder Probleme nur ganz schwer fassbar. Alles, was wir nicht festmachen können, macht uns Angst, gibt uns ein Gefühl des Versagens oder stürzt uns leicht ins innere Chaos. (...)

Energien in Harmonie bringen
Viele möchten etwas Besonderes sein, möchten ein bedeutsameres Leben haben und umgeben sich daher mit Engeln und Meistern, um ihr Ego aufzupolieren. Aber es gibt viele andere, die machen es sich nicht so leicht, was sie letztendlich vor der Falle der Illusion schützt. Wenn man aber ganz auf sich selbst zurückgeworfen ist, da schwindet schnell das Vertrauen, besonders wenn der Zweifel ständig nagt. Eine gute Mitte zu finden zwischen gesunder Skepsis, also einer guten Unterscheidungskraft, und tiefem Glauben ist nicht einfach. Viele sehnen sich nach spirituellen Erfahrungen, halten sich aber gleichzeitig für wenig begabt dafür. Ich selbst habe mich in dieser Frage stets nach so großen Meistern wie Beethoven oder Mozart gerichtet, die der Meinung waren, dass nur zehn Prozent eine Sache der Begabung ist, der Rest sei unermüdliche Arbeit, stete Hingabe und der Glaube an etwas Göttliches. Diese gesunde Meinung vertreten wir als Kursleiter auch im Hinblick auf die Sensitivität und Medialität. Die unermüdliche Arbeit an sich selbst spielt dabei eine wichtige Rolle und daher ist der regelmäßige Zirkel so wichtig. Als Musiker stellte sich mir dann damals auch die Frage, wie man mit sich selbst arbeiten kann, ohne gleich zum Psychotherapeuten zu gehen. Damit würden Probleme wie Lampenfieber oder Ausstrahlung ja einer Krankheit gleichgesetzt, was sie in den wenigsten Fällen meiner Erfahrung nach wirklich sind. Meist handelt es sich um Unwissenheit im Umgang mit Energien und auch um Unkenntnis jener Spielregeln, nach denen wir selbst und das Leben funktionieren. In der Kinesiologie fand ich einen adäquaten Weg, für mich selbst auf kreative Weise herauszufinden, welche Spielregeln mich regieren und wie ich sie eventuell so verändern kann, dass ein Mehr an Lebensenergie möglich wird. Die Kinesiologie beruht auf dem Muskeltestverfahren, eine Art körpereigenes Biofeedbacksystem, und bietet in ihrer Methodik die Möglichkeit, schwer zu benennende Energien oder Probleme artikulieren zu helfen. Jemand, der stets negativ denkt, wird wenig Erfolg im Leben haben. Aber woher kommt diese Art zu denken und welche Wege gibt es, das abzustellen? Wir wissen alle, wie schwierig es ist, von der Erkenntnis und Einsicht in die Tat und die Veränderung zu kommen. Alte, lang praktizierte Verhaltensmuster, die wir uns irgendwann angeeignet haben, um auf irgendeine Art zu überleben oder Liebe zu finden, sitzen sehr tief. Erst über den Weg der Kinesiologie habe ich gelernt, in Kontakt mit jenen subtilen Kräften in mir zu kommen und auch Möglichkeiten zu finden, mit ihnen zu arbeiten, sie zu verändern. Wichtig war mir auch an der Kinesiologie, dass sie mir die Freiheit gab, meinen eigenen Zugang zu meinem Leben zu finden und nicht den Vorgaben eines Therapeuten folgen zu müssen. Letztendlich ist es ja an uns, unser Leben besser zu verstehen und es auch selbst zu leben; das kann uns niemand abnehmen und da können auch wohlgemeinte Ratschläge von außen nur bedingt hilfreich sein. Mit Hilfe der Kinesiologie kann zum Beispiel jemand für sich herauszufinden,
weshalb er keine Zuversicht in seine Kräfte und Fähigkeiten hat, warum er sich in der Abgrenzung schwer tut, weshalb er seinen Blick stets auf den Mangel richtet oder es ihm an fundiertem Glauben an etwas Höheres mangelt.

Der spirituelle Charakter der Kinesiologie
Die spirituellen Ansätze in der Kinesiologie selbst sind zudem unübersehbar. Ein Beispiel: Um emotionales Verhalten artikulieren und greifbar machen zu können, hat man in der Kinesiologie das sogenannte "Verhaltensbarometer" entwickelt. Zu jeder Situation im Leben können wir eine bestimmte emotionale Haltung einnehmen und im Verhaltensbarometer sind grundlegende Emotionen festgehalten, die unserem Verhalten eben die Farbe oder Qualität geben. Welche Färbung unsere Haltung in Bezug zu einer Situation bekommt, hängt ganz rudimentär davon ab, ob die Sympathie oder Antipathie überwiegt oder, um es im Wortlaut des Verhaltensbarometers auszudrücken, ob wir eine Situation annehmen können oder in den Widerstand gehen. Sind wir uns unserer Lage ganz bewusst, dann können wir auch selbst frei entscheiden. Bei unseren Schattenthemen ist dies leider nicht der Fall, da reagiert etwas in uns ganz automatisch und oftmals kommt ein Ergebnis dabei heraus, das wir bewusst gar nicht beabsichtigen. Das Verhaltensbarometer soll
nun helfen herauszufinden, was da in uns reagiert und wie es das tut. Das ganze Verhaltensbarometer beruht auf dem Prinzip der Polarität oder Dualität. Jeder positive Begriff bedarf eines negativen Pendants, denn nur so lässt sich ein Zustand ja eingrenzen und festmachen. Um eine Empfindung als "Freude" definieren zu können, brauchen wir zwangsläufig auch das Erleben von Trauer oder Leid. Das eine lässt sich ohne das andere nicht festmachen. Unsere ganze Welt des Denkens ist aus solchen Dualitäten gebaut. Licht kennen wir nur, weil wir Schatten kennen, Begeisterung, weil wir die Depression kennen. Lao Tse hat das wunderbar auf den Punkt gebracht. Das Wesen einer Tür besteht nicht in ihr selbst, auch nicht im Davor oder Dahinter. Ihr Wesen besteht in der Leere. Das Problem unseres Verstandes ist, dass er Leere nicht fassen kann, dass sie ihm ein Nichts ist. Deshalb braucht er die Polarität, die Dehnung oder Spannung in ein Davor/Dahinter oder ein Vorher/Nachher. So entstand die Welt der Polarität, damit der Verstand die Welt fassen kann, was ja auch ein wichtiger Schritt in der menschlichen Evolution darstellt.

Die Polarität erkennen und akzeptieren
Und diese Polarität reicht auch in die esoterischen und spirituellen Bereiche hinein. Es ist ja ein unausgesprochener Wunsch bei vielen Suchenden, dass ihnen ihr Leben leichter werden möge mithilfe spiritueller Möglichkeiten. Die allermeisten sind doch davon überzeugt, dass ein begnadetes Medium weiß, welche größeren Probleme ihm im eigenen Leben noch bevorstehen und dass ein begnadeter Heiler nicht selbst an einer Krankheit leidet. Wie wir aber eigentlich alle wissen, ist dies reine Illusion. Auch spirituell erfahrene Menschen werden mit Problemen, Tod und Krankheit konfrontiert, nur können sie mittels ihrer spirituellen Erfahrung besser mit solchen Situationen umgehen oder können sie in anderem Licht sehen. Wie alle Lebensgeschichten der großen Heiligen zeigen, wird ihnen nichts erspart, im Gegenteil, die Herausforderungen des Schicksals an sie werden meist weitaus größer. Und da komme ich auf das Verhaltensbarometer zurück. Im Verhaltensbarometer stehen sich zum Beispiel solche Emotionen gegenüber wie:
Annahme - Widerstand
Begeisterung - Feindseligkeit
Sicherheit - Verlustangst
Ebenbürtigkeit - Kummer und Schuld.
Jeder von uns kennt diese Emotionen, hat sie an sich erfahren und wird seinem inneren Wunsch nach automatisch nach der hellen Seite streben, also zum Beispiel nach ewiger Sicherheit oder Begeisterung. Wer möchte schon gerne mit Kummer oder Feindseligkeit konfrontiert werden. Aber leider beruht der Fluss des Lebens nun mal auf einem Auf und Ab, also auf Polarität, weshalb niemand von uns ewige Sicherheit, Begeisterung oder ewige Freude erfahren kann, sondern zwangsläufig auch mit derAbwärtsbewegung in Kontakt kommt. Solange wir in Dualitäten denken, werden wir nie in Frieden sein, denn selbst wenn wir in einem Stadium der Freude sind, lauert doch verborgen die Möglichkeit des Schmerzes. Und da wird das Verhaltensbarometer plötzlich sehr spirituell. Über allen emotionalen Wortpaaren steht nämlich der Überbegriff "Wahl". "Wahl" bedeutet den Weg der Mitte, den Weg der Freiheit. Wenn wir nicht im Zustand der Dualität verhaftet bleiben, wenn wir in unsere Mitte Kommen und die Wahl haben, dann werden wir nicht von unseren Emotionen regiert und treffen selbstverantwortlich unsere Entscheidungen im Leben. Die Kinesiologie versucht, uns behilflich zu sein, unseren Weg der Mitte zu finden, von dem aus wir flexibel und angemessen auf das Leben reagieren können. Beide Seiten des Erlebens müssen möglich sein, ohne allerdings dabei vollkommen seine Mitte zu verlieren. Aus diesem Grunde wird eine kinesiologische Sitzung auch "Balance" genannt. Es geht um das Erkennen und Ausbalancieren von Energien in uns. Daher finde ich, dass die Kinesiologie eine wunderbare Ergänzung ist, gerade auch auf dem spirituellen Weg, wo so viele Energien aktiv werden, die es auch anzuschauen, auszuhalten und zu tragen gilt.

Autor: Harald Knauss
Quelle: raum & zeit 141/2006

   
   
   
Eingestellt von*:   Eike Rappmund
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